Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst

Teil 1 der Predigtreihe „Wunder“



Liebe Gemeinde,
    „Wunder gibt es immer wieder“ – so singt nicht nur ein alter Schlager, nein: so hören wir es aus den unterschiedlichsten Ecken bis heute immer wieder, zumindest: immer mal wieder. Der Rationalismus, der die Kategorie „Wunder“ ganz konsequent für unmöglich erklärt, hat es gar nicht so leicht, wie man in einer säkularisierten Gesellschaft eigentlich meinen sollte.

    Gerade in diesen Tagen ging eine Nachricht um die Welt: „Das Wunder vom Hudson River“, so hatte irgendjemand im Handumdrehen die ganz außergewöhnliche und schwierige Wasserlandung eines Airbus mitten in New York getauft. Der Pilot als Wundertäter – und schon lief das Bild eines Mannes um den Globus, den tags zuvor praktisch niemand gekannt hatte!

    Soviel sollte klar sein: Religion, Glaube – diese Dinge sind ohne so etwas wie „Wunder“ gar nicht vorstellbar. Wenn alles im Leben restlos nachvollziehbar nach Plan verliefe, dann wäre so etwas wie der Glaube niemals entstanden. Wobei wir nun genauer fragen müssen: was meinen wir eigentlich, wenn wir etwas zu einem „Wunder“ erklären? Nun, die meisten würden wohl in etwa sagen: ein Wunder, das ist ein Ereignis, ein Phänomen, das mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln des Verstandes nicht erklärt werden kann, das vielmehr alles, was wir an Gesetzmäßigkeiten in unserer Welt kennen, auf den Kopf stellt.

    Und noch etwas ist wichtig: der Begriff „Wunder“ ist bei uns sehr positiv besetzt. Ein Phänomen jenseits aller Gesetzmäßigkeiten könnte ja auch etwas Schlimmes sein, ja etwas Katastrophales. Aber dann sprechen wir gerade nicht von einem Wunder. Das tun wir nur, wenn sich etwas – ja: „Wunder-bares“ ereignet.

    Dabei kann dieses Wunderbare bei genauerer Betrachtung sogar durchaus erklärlich sein: etwa diese Landung des Flugzeugs auf dem Hudson River. Sie war spektakulär, ja sensationell, und es hätte natürlich alles auch ganz anders, sprich: furchtbar kommen können – aber: diese Landung ist aufgrund der Verkettung einiger glücklicher Umstände rational durchaus nachvollziehbar, wie uns eine Unzahl von fachkundigen Kommentatoren inzwischen verraten hat.

    So ist das mit vielen „Wundern“. Dennoch nehmen wir sie als wunderbar wahr. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Begebenheit vor etlichen Jahren hier in Röttgen: ich besuchte einen älteren Herrn, was ich von Zeit zu Zeit zu tun pflegte, weil er ziemlich krank war. Er schaffte seinen kleinen täglichen Spaziergang kaum noch, wie er mir recht deprimiert erzählte. Zum Schluss meines Besuches sprach ich ein Gebet, in dem ich unter anderem Gott bat, diesem Herrn doch wieder neue Kraft zu geben, damit er noch etwas vom Leben haben möge. Kurze Zeit später traf ich ihn wieder, zum jährlichen Seniorengottesdienst nach Weihnachten. Er kam zur Kirche; ich stand am Eingang und begrüßte ihn. Da rief er mir überschwänglich zu: „Mein Wunderheiler!“ Ich muss wohl einigermaßen verdutzt geguckt haben, wie auch mehrere andere Leute, die die Szene mitbekamen. Da erklärte er mit lauter Stimme, so dass alle es hören konnten: „Der Pfarrer Zimmermann war letztens bei mir und hat mich besucht. Er hat für mich gebetet – und am nächsten Tag war ich richtig gut drauf; da konnte ich meine Runde wieder drehen wie in alten Zeiten!“ – Ich hörte das alles mit einer Mischung von Rührung und Amüsement. Nun war ich also gewissermaßen „geadelt“ zum Wunderheiler! Der Herr hat noch jahrelang immer wieder von dieser Begebenheit erzählt. Dass der ganze Vorgang medizinisch vermutlich durchaus erklärlich war, spielte in diesem Zusammenhang überhaupt keine Rolle. Und dass ich noch viele Male später für diesen Herrn gebetet habe, ohne dass sich derselbe Effekt noch einmal in derselben Weise eingestellt hätte – auch das war unerheblich. Wichtig war allein dies: da war diesem Herrn im Anschluss an mein Gebet etwas zuteil geworden, womit er nicht mehr wirklich gerechnet hatte. Das war für ihn nichts weniger als ein Wunder! –

    So etwas scheint der Mensch irgendwie zu brauchen, ja er sehnt sich, so etwas einmal erleben zu dürfen. Irgendwie ist eine Welt, deren Gesetzmäßigkeiten wie eine unantastbare Grenze alles, aber auch restlos alles reglementieren, eine ziemlich langweilige, ja traurige Angelegenheit. Im Bedürfnis nach Wundern bricht sich unser Bedürfnis nach Grenzüberschreitungen Bahn, und das lässt das Phänomen „Wunder“ so eng mit den Phänomenen „Religion“ und „Glaube“ verbunden erscheinen. Ja wir könnten sagen: Gott ist gleichsam per definitionem der, der Wunder tut, der Gesetze außer Kraft setzt, der unsere Begrenzungen überwindet und uns so das vermittelt, was man denn auch eine „Transzendenzerfahrung“ nennt: die Erfahrung des Überschreitens einer ansonsten unüberwindlichen Grenze.

    Wobei: an dieser Stelle ist es wie praktisch immer im christlichen Glauben: wir sollten genau auf dessen Grundlage hören, auf die biblischen Texte. Sie überraschen uns ein ums andere Mal damit, wie sie die Klischees, mit denen wir so leben, gerade nicht einfach reproduzieren, sondern den Dingen ein ganz eigenes Gesicht geben. So auch – das sei gleich zu Anfang der Predigtreihe gesagt – auch bei den Wundergeschichten in der Bibel. Lassen Sie uns heute auf eine erste davon hören; sie steht in Markus 1,40-45:

    Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein.

    Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

    Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, so dass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

    Liebe Gemeinde, also mal ganz ehrlich: für einen Wundertäter verhält sich Jesus hier – ich würde sagen: reichlich unprofessionell! Es scheint ja gerade so, als wolle er eigentlich von seiner spektakulären Gabe gar keinen Gebrauch machen! Erst scheint er gar nicht so erpicht darauf, sein Talent als Heiler unter Beweis zu stellen. So spricht der Aussätzige ihn ja auch gar nicht auf seine Heilfähigkeit an, sondern auf seinen Willen: „Willst du, so kannst du mich reinigen.“

    Und von Jesus heißt es daraufhin bezeichnenderweise ja auch nicht: Da freute er sich ungemein über diese Möglichkeit, endlich mal wieder sein Können unter Beweis zu stellen – nein, es heißt vielmehr: „Und es jammerte ihn“ – wörtlich übersetzt: „es ging ihm an seine Eingeweide“; will sagen: er wurde vom Elend dieses armen Menschen, der ihn da um Hilfe bat, geradezu körperlich durchgeschüttelt. Er hält es nicht aus, diesen Menschen so leiden zu sehen. Daraufhin wendet er sich ihm zu und lässt ihm seine Fähigkeiten zugute kommen. Von selber hätte Jesus an der Demonstration seiner heilenden Macht überhaupt kein Interesse gehabt.

     Fast stelle ich mir vor, dass nach der vollbrachten Tat so ein moderner Coach zu ihm kommen müsste nach dem Motto: Ja also Jesus: was du alles drauf hast – phänomenal! Aber: an der Ausführung, der „Präsentation“, an deiner „Performance“, wie man heute zu sagen pflegt, daran üben wir noch, ok?!

    Nun vermute ich, Jesus würde einen solchen Coach freundlich, aber mit Nachdruck wegschicken. Denn es ist mitnichten so, als hätte er keine beeindruckende „Präsentation“ seiner Gaben drauf, nein: seine „Performance“ ist ganz bewusst anderer Art, als man meinen sollte. Dies wird in der weiteren Folge der Geschichte ganz deutlich:

    Kaum dass der soeben noch Kranke genesen ist, geht Jesus ja nicht etwa hin und lässt sich als großer Wunderheiler feiern, sondern er weist ihn zurecht: Mach kein großes Aufhebens um deine Heilung, sondern befolge schlicht und einfach die Gesetze, die nun einmal gelten für Menschen, die vom sogenannten „Aussatz“, das ist die Leprakrankheit, geheilt worden sind. Denn da diese hoch ansteckende Krankheit ja zur Folge hatte, dass der Erkrankte sich von jeder menschlichen Gemeinschaft fernzuhalten hatte, so war es unbedingte Vorschrift, dass jemand, der meinte, von ihr genesen zu sein, sich dies durch einen Priester als den offiziell bestellen Fachmann auch für diese Dinge sozusagen „amtlich“ bestätigen ließ, so dass er nun ein anerkanntermaßen gesunder Mensch war und wieder Gemeinschaft mit anderen Menschen pflegen durfte.

    All das zeigt uns nun gleich Mehreres: zunächst: Jesus will keinen Rummel, keine Sensationsreporter, nichts dergleichen. Er will kein Kapital für sich persönlich aus der Geschichte schlagen. Weiter: so außergewöhnlich Jesu Tat war, so sehr weist er nun den Geheilten in die ganz normalen, gewöhnlichen Abläufe der Registrierung seiner Heilung ein. Er, der doch an bestimmten Stellen durchaus in Konflikt mit dem jüdischen Gesetz geraten konnte, pocht hier geradezu peinlich genau auf seine Einhaltung!

    Also genau an der Stelle, wo er, Jesus, etwas höchst Wundervolles vollbracht hat, das den Rahmen aller Normalität sprengt, legt Jesus Wert darauf, dass der Geheilte möglichst schnell wieder in den Rahmen der Normalität zurückkehrt, der für diesen Tatbestand „Heilung von Aussatz“ vorgesehen war. Denn Heilung dieser Krankheit auf „normalem Wege“ gab es durchaus, und wie gesagt: es waren Regelungen etabliert, wie man damit zu verfahren hatte.

    Soviel jedenfalls ist überdeutlich: Jesus hat keine Karriere als Wunderheiler vor Augen. Hier ist er interveniert, weil dieser Kranke in seinem Leid ihm, Jesus, buchstäblich an die Nieren ging. Aber er hat nicht vor, solche Intervention künftig serienmäßig durchzuführen. Wobei es kommt, wie es kommen muss: der Geheilte kann den Mund einfach nicht halten, und auf einmal sind sie alle hinter Jesus her, so dass er sich in die Einsamkeit flüchten muss – und selbst da spüren sie ihn auf.

    Aber nun stellt sich die alles entscheidende Frage: warum in aller Welt will Jesus nicht, dass seine Heilfähigkeit, die er ja nun mal offensichtlich hat, weitere Kreise zieht? Warum, so könnte man ja fragen, gönnt er den vielen anderen Kranken ihre Heilung durch ihn nicht? Warum macht er sich mit seiner fantastischen Gabe so rar? „Tue Gutes und rede darüber“, so sagt ein Sprichwort bei uns, und jeder Marktforscher würde diesem Sprichwort Recht geben. Was veranlasst Jesus, dem Geheilten geradezu das Gegenteil nahe zu legen: „Lass dir Gutes tun und schweige darüber!“?

    Liebe Gemeinde, hinter diesem irritierenden Verhalten Jesu steckt das, was die neutestamentliche Forschung das „Messiasgeheimnis“ nennt. Gerade der Evangelist Markus betont dieses Messiasgeheimnis immer wieder. Es besagt nichts weniger als eine komplette Umkehrung alles dessen, was man landläufig so mit der Erwartung des „Messias“, des endzeitlichen göttlichen Heilsbringers, verband: Groß, stark und mächtig soll er auftreten; mit der römischen Besatzung soll er Schluss machen; Israel soll er erlösen, ein für allemal.

    Und nun kommt Jesus. Und der weiß, wohin sein Weg ihn führen wird – wir haben es in der Lesung gehört: ans Kreuz, in den Tod. Und zwar nicht, weil er nicht fähig gewesen wäre, alledem auszuweichen, im Gegenteil: er hätte ausweichen können, mehr als einmal. In unserer Geschichte zum Beispiel. Als jüdische Ausgabe von Superman hätte er sich inszenieren können. Aber das macht er nicht. Er verzichtet darauf zugunsten(!) des Weges, der ihn ans Kreuz führen wird! Sein Geheimnis besteht darin, dass er seine wahre Größe gerade in der Bereitschaft erweist, die komplette Niedrigkeit auf sich zu nehmen.

    Liebe Gemeinde, wir können wirklich kaum ermessen, was für eine Umkehrung aller geläufigen Heilsbotschaften dies ist. Hier wird kein „Star“ aus dem Nichts gehoben, sondern hier kommt einer, der wirklich das Leben von uns Menschen teilt, bis hin in seine tiefsten Tiefen hinein. Und nun wird es umso spannender, weil die junge Christenheit ja gerade nicht darauf verzichtet hat, ausgerechnet diesen Menschen mit den messianischen Hoheitstiteln zu belegen, sondern dies gerade umso bewusster und auch provokativer tut! „Christos Kyrios!“ „Christus-Herr!“ – so sagen und singen sie es – und wiederum fragt man sich: warum und woraufhin tun sie das eigentlich?

    An diesem Punkt, liebe Gemeinde, rühren wir an den Kern des Neuen Testaments. So ganz anders als erwartet vollzieht sich da ein ums andere Mal Gottes Kommen in diese Welt: das Krippenkind, der Gekreuzigte. Und doch haben die frühen Christen gerade in ihm den Gott erblickt, der ihnen wirklich nahegekommen ist, der alles mitgemacht und durchgemacht hat, was Menschen widerfahren kann – der von seinem himmlischen Vater, wie es heißt, für uns alle dahingegeben wurde, aber der nicht von ihm aufgegeben wurde, der vielmehr sein Leben paradoxerweise gerade indem er es verlor, endgültig gewonnen hat.

    Diese Zusammenhänge sind Jesus von vornherein klar, aber die Menschen um ihn herum, insbesondere seine Jünger, die wollen alles im Grunde ganz anders: die hätten gern so einen „Star“ – könnten sie sich doch selber ein ganzes Stück weit in dessen Ruhm sonnen! Im Text der Lesung aus Markus 8 sehen wir, wie Petrus Jesus auf andere Gedanken bringen will. Er hält das einfach nicht aus, Jesus in düsteren Tönen von Kreuz und Tod reden zu hören, in einem Moment, wo er nur mit dem Finger schnippen müsste, und schon wäre er in der Lage, nach der Macht im Staate Israel zu greifen. Aber Jesus hat eine Eigenschaft, die man so manchem Menschen im Dunstkreis der großen Macht wünschen würde: er lässt sich nicht korrumpieren. Er kennt seinen Weg und beweist gerade darin seine Stärke, dass er sich selbst durch die verlockendsten Perspektiven nicht davon abbringen lässt. –

    Jetzt habe ich heute eine Predigtreihe zu Wundergeschichten begonnen und bin gelandet bei Jesu Weg ans Kreuz! Also: Thema verfehlt? Ich meine, das kann nur dem so erscheinen, der die Bibel höchst oberflächlich liest oder der sie schon gar nicht mehr liest und lediglich zum Gefangenen seiner eigenen Klischees geworden ist: in den Wundern leuchtet die Vollendung gewissermaßen immer schon auf, die uns von Gott her erwartet. Aber die Perspektive auf das Kreuz zeigt uns: noch sind wir nicht so weit. Unter den Bedingungen irdischer Existenz kommen wir um die Erkenntnis nicht herum: so, wie die Welt nun mal beschaffen ist, werden wir hier zu endgültiger Vollendung nicht gelangen können! Diese erwartet uns allererst gewissermaßen hinter dem Vorhang. Die Wunder – so möchte ich es einmal formulieren – lassen uns allerdings schon mal hier und da schemenhaft erkennen, was uns dort erwartet. Dorthin gelangen werden wir in dieser Welt freilich nicht.

    Schmälert diese Einschränkung die Bedeutung der Wunder? Ich meine: keineswegs. Aber sie „erdet“ sie sozusagen. Und sie verweist uns darauf: Vollendung greift weiter, als jedes Wunder, das Jesus oder wer auch immer getan hat, jemals greifen kann! Machen wir uns doch bitte klar: auch dieser Aussätzige ist eines Tages gestorben, vielleicht unter Schmerzen und in entwürdigenden Umständen. Seine Heilung durch Jesus hat ihm diesen bitteren Punkt nicht erspart; sie hat ihn lediglich ein wenig nach hinten verlagert. Und nebenbei bemerkt: auch der Herr, der mich als seinen Wunderheiler gepriesen hat, hat inzwischen das Zeitliche gesegnet. Auch da war die „Wunderheilung“ also durchaus nur vorläufiger Natur!

    So werden in der Tat auch bereits die Wunder des Neuen Testaments ein ganzes Stück weit relativiert. In dem Sinne nämlich, dass sie die Gesetzmäßigkeiten des Lebens immer nur für kurze Zeit außer Kraft setzen, aber niemals vollständig. Um Letzteres zu bewerkstelligen, braucht es mehr – und das hat paradoxerweise ausgerechnet mit Jesu Tod zu tun, mit dem Moment also, wo die Gesetzmäßigkeiten des Lebens in ihrer unerbittlichsten Form über ihn zu triumphieren scheinen. Und doch ist es nicht unbedeutend, dass wir schon hier und da im wahrsten Sinne des Wortes „wunderbare“ Erfahrungen machen dürfen: sie verleihen uns einen „Vorgeschmack“ auf das noch viel Wunderbarere, das uns eines Tages bei Gott erwartet.

    In diesem Sinne hat sich der geheilte Aussätzige über seine Heilung gefreut – so sehr, dass er Jesu Anweisung gerade nicht befolgt hat, sondern seine Geschichte überall herumposaunt hat. So ist das nun mal: wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Und ich denke, auch Jesus hat das dem guten Mann letztlich nicht übel genommen.

    Und doch weist er uns innerhalb dieser Wundergeschichte zugleich über sie hinaus: in Richtung Golgatha. Nicht um das Wunder zu nivellieren. Wohl aber, um unseren Blick über unsere Klischees hinaus noch weiter auf das alles Entscheidende zu lenken. Wer weiß: vielleicht verbirgt sich dort ja eine Wundergeschichte, die alle anderen am Ende in den Schatten stellt?! Amen.