Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst

„Betrug am Betrüger““
Teil 3 der Predigtreihe „Jakob – Betrüger und Gesegneter“



    Und als Jakob nun einen Monat lang bei Laban gewesen war, sprach Laban zu Jakob: Zwar bist du mein Verwandter, aber solltest du mir darum umsonst dienen? Sage an, was soll dein Lohn sein?
    Laban aber hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel. Aber Leas Augen waren ohne Glanz, Rahel dagegen war schön von Gestalt und von Angesicht. Und Jakob gewann Rahel lieb und sprach: Ich will dir sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter, dienen. Laban antwortete: Es ist besser, ich gebe sie dir als einem andern; bleib bei mir.
    So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als wären’s einzelne Tage, so lieb hatte er sie. Und Jakob sprach zu Laban: Gib mir nun meine Braut; denn die Zeit ist da, dass ich zu ihr gehe. Da lud Laban alle Leute des Ortes ein und machte ein Hochzeitsmahl. Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu Jakob, und er ging zu ihr. Und Laban gab seiner Tochter Lea seine Magd Silpa zur Leibmagd.
    Am Morgen aber, siehe, da war es Lea. Und Jakob sprach zu Laban: Warum hast du mir das angetan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen? Laban antwortete: Es ist nicht Sitte in unserem Lande, dass man die jüngere weggebe vor der älteren. Halte mit dieser die Hochzeitswoche, so will ich dir die andere auch geben für den Dienst, den du bei mir noch weitere sieben Jahre leisten sollst.
    Das tat Jakob und hielt die Hochzeitswoche. Da gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau. Und er gab seiner Tochter  Rahel seine Magd Bilha zur Leibmagd. So ging Jakob auch zu Rahel ein und hatte Rahel lieber als Lea; und er diente bei ihm noch weitere sieben Jahre.

Liebe Gemeinde,
    es ist nichts weniger als das pralle menschliche Leben, mit dem die Bibel uns ein ums andere Mal konfrontiert. Bei Jakob zunächst mit List und Betrug, als er seinen Bruder Esau und mit ihm den Vater Isaak übers Ohr haut; dann mit hoher Dramatik, als er vor Esau fliehen muss. Weiter geht es mit der Landung Jakobs am Nullpunkt, in der Wüste, und doch gerade da mit Gottes Beistand, der ihm zugute kommt und ihn weiter begleiten soll.
      Gestärkt macht er sich also am Morgen auf in Richtung der Heimat seiner Mutter Rebekka und ihres Bruders, seines Onkels Laban, den er ja noch gar nicht kannte, an den Rebekka ihn jedoch verwiesen hatte.
      Nun gehört zum prallen Leben aber nicht zuletzt auch hintergründiger Humor  und auch bewusste Übertreibung – Stilmittel, die im besonderen dafür geeignet sind, bestimmte grundmenschliche Erfahrungen darzustellen. Damit werden wir heute konfrontiert.
      Zunächst in scheinbaren Kleinigkeiten, die wir kaum  wahrnehmen: Da kommt Jakob an den Brunnen vor Haran, dem Heimatort seiner Mutter. Ausdrücklich ist die Rede von dem großen Stein, der vor dem Loch des Brunnens lag und den die Hirten nur gemeinsam wegwälzen können, um Zugang zum Wasser zu erlangen.
      Dahinter, so las ich, versteckt sich eine kluge Regelung: Der Stein vor einem Brunnen war damals immer absichtlich so schwer gewählt, damit kein einzelner Hirte allein über das Wasser verfügen konnte, sondern nur alle gemeinsam diese Quelle nutzen konnten, an der sie alle dasselbe Recht hatten.
      Aber jetzt: Rahel kommt, Jakob ist sofort hin und weg, entwickelt Riesenkräfte (ausgerechnet er, das verzärtelte Muttersöhnchen!), durchbricht die Brunnenordnung und wälzt den Stein weg, um Rahels Schafe zu tränken.
      Weiter: Jakob, so heißt es, „küsste Rahel und weinte laut.“ (V. 11) Erst danach stellt er sich ihr, die ja seine Cousine ist, vor. – Bei allem Respekt vor spontaner Verzückung eines jungen Mannes durch eine anmutige junge Dame: auch diese Reihenfolge: erst Küssen, dann Selbstvorstellung – ist ja auch nicht so ganz das, was der Knigge gebieten würde. Und so schmunzelt bereits der Hörer der Geschichte in der Antike, und wir jetzt ja vielleicht auch.
      Jakob macht sein Ding – so sieht es jedenfalls aus: Sein Ziel, von Rebekka gewiesen, hat er erreicht. Er hat ein Dach über dem Kopf, hat Arbeit, Essen und Trinken, und sein Onkel lässt sich auch sofort auf seinen Vorschlag ein, Rahel solle der Lohn für seine Arbeit sein.
      Wir sollten uns nicht allzu lange bei der Frage aufhalten, wie das denn wohl sei: eine Ehefrau als Lohn für geleistete Arbeit… Natürlich gelten in der Antike andere Regeln als bei uns. Wir sehen jedenfalls, wie Laban hier sicherstellt, dass seine Tochter zu jemandem kommt, der zum einen aus der eigenen Familie stammt – was für sich genommen schon als Ausweis von Seriosität empfunden wurde, und der zum anderen immerhin sieben Jahre lang durch gute Arbeit seine Eignung als zuverlässiger Ernährer auch dieser seiner Frau unter Beweis stellen musste.
      Ausgerechnet Jakob! – So mögen wir an dieser Stelle denken. Er, der im Grunde nichts aus sich selbst heraus war. Der nichts seiner eigenen ehrlichen Arbeit verdankte, sondern entweder seiner Mutter Rebekka oder seiner List und Tücke! Der kleine, schmierige Betrüger, der nun plötzlich zu unglaublicher Form aufläuft, dem die Liebe zu einer Frau übermenschliche physische Kräfte am Brunnen verleiht und dann sogar die Bereitschaft, sich auf sieben Jahre zu ehrlicher Arbeit zu verpflichten! Nicht schlecht, oder?!
      Was mag den Sinneswandel in Jakob verursacht haben? Für die Heilige Schrift ist diese Frage klar zu beantworten: Es ist die Stärkung durch Gott, die Jakob nach tiefster Verzweiflung neu aufleben lässt. Es ist der Traum von der Himmelsleiter, von der wir im zweiten Teil der Predigtreihe hörten, der ihm geradezu Flügel zu verleihen scheint: nicht nur, dass er den unglaublichen Weg bis in die Heimat in nullkommanichts zurücklegt – in der biblischen Erzählung wird die gesamte Reise in einem einzigen Vers zusammengefasst. Sondern darüber hinaus wird Jakob geradezu ein anderer Mensch: er wird durch und durch seriös, einer, auf den man sich verlassen kann. Das wiederum wird damit begründet, dass Jakob tatsächlich von echter Liebe zu Rahel ergriffen worden ist. Die sieben Jahre schmelzen in seiner Wahrnehmung auf wenige Tage zusammen. Jakob, der Betrüger, wird vertrauenswürdig ohne Einschränkung. Laban ist der erste, der diese Erfahrung machen darf.
      Aber jetzt: Was macht Laban mit dieser Erfahrung? Bzw. was macht er mit Jakob? Wir hörten es, und so Mancher kennt die Geschichte vielleicht schon aus Schul- oder Kindergottesdienst: Etwas salopp gesagt: Laban jubelt seinem Neffen Jakob ganz gezielt die falsche Frau unter! Lea, die ältere seiner beiden Töchter, ist diejenige, welche. Vielleicht kennen Sie die klassische Darstellung dieser Manipulation: da wird die Braut nach orientalischer Sitte tief verhüllt dargestellt, so dass Jakob nicht erkennt, wer ihm da präsentiert wird. Die Szene wird so beschrieben, dass es nachts, im Ehebett, dermaßen dunkel ist, dass Jakob nichts von alledem merkt. Erst am nächsten Morgen fliegt der Schwindel auf. Ein echter Hammer! –
      Natürlich können wir Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Erzählung anmelden. Gerade wenn wir ja davon ausgehen können, dass Jakob ganz dezidiert Rahel wollte und nicht Lea. Aber das führt uns nicht weit. Fragen wir uns lieber, was die Erzählung an dieser Stelle für eine Botschaft mitteilen will. Da ist Zweierlei auffällig:
      Zum Einen: Auch wenn wir uns kulturgeschichtlich aus guten Gründen längst von der Polygamie oder genauer: der Polygynie, der Eheschließung eines Mannes mit mehreren Frauen, weg entwickelt haben, so ist doch das Motiv Labans, Lea vor Rahel zu verheiraten, in keiner Weise zu missbilligen: Es ging unter den damaligen Bedingungen nicht an, dass die ältere Tochter sozusagen „übrig blieb“ und damit am Ende sozial isoliert, ja unversorgt da stand. Was Laban hier tut, ist also zunächst ein Akt der Fürsorge für Lea. Auch wenn offensichtlich zu späterer Zeit im Alten Testament die Ehe eines Mannes mit zwei Schwestern verboten wird (3. Mose 18,18), ist hier das Entscheidende, dass Leas Zukunft Laban nicht gleichgültig sein kann. Dass sie, Lea, und nicht etwa Jakobs geliebte Rahel, darüber hinaus die Stammmutter der größten Gestalten des Volkes Israel wie Mose oder David und damit übrigens auch Jesus werden sollte, ist vielleicht auch nicht ganz nebensächlich.
      Aber die Sorge um Leas Wohlergehen ist nur die eine, vermutlich gar nicht mal die wichtigste Botschaft dieser Erzählung von der Manipulation, die Laban gegenüber Jakob begeht. Wichtiger ist ein Zweites: Laban legt Jakob nach allen Regeln der Kunst rein! Jakob scheint gar keine Chance zu haben, etwa sein Recht auf Rahel einzuklagen. Er scheint gar nicht darauf hinweisen zu können, Laban habe ihm etwa seine Absicht, ihm zunächst Lea zu geben, vorher mitteilen müssen. Er muss damit leben, gelinkt, betrogen worden zu sein! Um sein Ziel zu erreichen, nämlich tatsächlich Rahel zu heiraten, muss er sich für weitere sieben Jahre bei Laban sozusagen dienstverpflichten. Immerhin: diesmal gibt’s den „Lohn“ schon zu Beginn der Dienstzeit und nicht erst an deren Ende.
Liebe Gemeinde,
    all dies heißt doch eindeutig: Jakob ist Opfer eines geschickt eingefädelten Betrugs geworden! Und das ausgerechnet er, der Listige, der selber die Kunst des Betrugs in zugleich beeindruckender und erschreckender Weise perfektioniert hatte! Das ist ja immer besonders bitter: wenn man mit seinen eigenen Waffen geschlagen wird…
    Und schon sehe ich im Geiste die Leute am Stammtisch oder sonstwo lästern: Haste schon gehört: Jakob, der Betrüger: selber voll reingefallen auf seinen Onkel und jetzt auch Schwager Laban! Man sieht sie sich vor Schadenfreude biegen: Jakob, der Listige – er steht überlistet da, und alle ham’s gesehen! Dumm gelaufen, nicht wahr?! Und überhaupt: Das ist ja eine nette Familie: da haut einer den anderen übers Ohr, dass es nur so kracht.
    Ja, liebe Gemeinde: diese Familie hat es in sich! Da wird nichts ausgespart, was Stoff für eine daily soap geben könnte. Heute trifft es Jakob, und zwar so richtig. Zu jedermanns Gespött wird er. Nicht angenehm, gar nicht angenehm!
    Allerdings wird so Mancher sagen: Das geschieht ihm gerade Recht! Da sieht er mal, wie das ist, betrogen zu werden und das Gespött der anderen über sich ergehen lassen zu müssen. Mitleid kommt da eher weniger auf, nicht wahr?!
    Die entscheidende Frage dürfte folgende sein: Wie geht Jakob nun mit dieser bitteren Erfahrung um? Er könnte ja nun sagen: So, Laban, jetzt pass bloß auf: Das ist noch nicht das letzte Wort, das über uns beide gesprochen wurde. Bei nächster Gelegenheit bist du fällig, das versprech ich dir!
    In der Tat wird uns im Verlaufe der Jakobsgeschichte noch eine Begebenheit überliefert, wo Jakob Laban listig übervorteilt. Ich habe sie für die Predigtreihe außer Betracht gelassen. Was ich für heute allerdings festhalten möchte: Jakobs Liebe zu Rahel ist echt. Für sie arbeitet er, ohne mit der Wimper zu zucken, weitere sieben Jahre. Er lässt Labans Betrug an sich gelten, weil er Rahel und ganz dezidiert sie tatsächlich zur Frau möchte.
    Und daran sehen wir: Jakob hat sich wirklich entwickelt. Er war ein Betrüger; nun aber ist er zu einem Menschen geworden, dessen Wort Bestand hat. Und bei dieser Entwicklung scheint der Beistand, den Gott ihm zugesagt hat, eine entscheidende Rolle zu spielen.
    Das klingt ja zunächst erstaunlich. Man könnte ja auch auf den Gedanken kommen zu sagen: Diese Zusage des göttlichen Beistandes war pädagogisch unklug, ja riskant. Sie könnte Jakob in seiner betrügerischen Natur bestätigen, so dass er gerade keinen Anlass sehen würde, sich zu verändern und damit weiterzuentwickeln.
    Aber es wird uns anders vor Augen gestellt: Jakob erweist sich des göttlichen Segens dadurch als würdig, dass er im Hinblick auf Rahel keinerlei Spielchen mehr spielt, sondern grundehrlich ist in seiner Liebe. Dass er es akzeptiert, selber Opfer eines Betrugs zu werden. Dass er, weil er sich von Gott geleitet und begleitet weiß, es nicht länger nötig hat, selber zu lügen und zu betrügen. Sondern dass er vielmehr sein Versprechen hält und sieben weitere Jahre seines Lebens einsetzt: für seine geliebte Rahel.
    Dieser Jakob, liebe Gemeinde, ist als der dritte Stammvater Israels seit jeher eine Identifikationsfigur für das Volk Gottes gewesen. Wie er das ganz konkret wurde, werden wir im nächsten, im vierten Teil der Predigtreihe sehen. Wichtig dabei finde ich vor allem dies: Israel kann in Jakob die unterschiedlichsten Facetten seiner „Persönlichkeit“ wiederfinden. Dies jedoch nicht so, dass diese Facetten, diese Charakterzüge und Merkmale unverbunden nebeneinander stünden. Sondern so, dass eine Entwicklung deutlich wird, vom Betrüger hin zum verlässlich Liebenden, wie wir es gesehen haben.
    Die Kirche, die sich ja gern als das „neue Israel“ verstanden hat, ist gefragt, ob sie diese Identifikation mitzuvollziehen bereit ist. Nicht als wollten oder könnten wir dem Volk Israel dadurch irgendetwas wegnehmen oder es einfach ersetzen. In diesem Sinne hat das Selbstverständnis der Kirche als „neues Israel“ etwas sehr Missliches und im Verlaufe der Geschichte Tragisches. Nein, aber wir sind schon gefragt, ob wir in diesem Jakob wie in den anderen Gestalten der Heilsgeschichte etwas von dem wiederfinden, was auch wir aus unserem Leben kennen: an Erfahrungen, an warnenden oder ermutigenden Beispielen, an Vorbildern, an Maßstäben. Wie verhalten wir uns zu „Jakob“ und allem wofür er steht? Finden wir uns darin wieder?
    In diesen Tagen und Wochen ist es ja interessant, worin sich viele Zeitgenossen wiederfinden. Derzeit sind ja viele Zeitgenossen mit großem Eifer dabei, sich mit „Charlie“ zu identifizieren. Kaum jemand, der diese Identifikation nach den Terroranschlägen von Paris zurückzuweisen bereit gewesen wäre. Darin spiegelte sich natürlich zunächst aufrichtige Empörung über die furchtbaren Morde und den dadurch vollzogenen Angriff auf die Errungenschaft der Pressefreiheit.
    Ich gestehe Ihnen jedoch: Ich fand diese Selbstidentifikation, der Viele sich für mein Empfinden sehr schnell, vielleicht etwas zu schnell anschlossen, etwas billig. Zunächst: Würden diejenigen, die „Je suis Charlie“ gesagt, geschrieben und nicht zuletzt auch überall gepostet haben, das auch noch dann durchhalten, wenn es sie wirklich etwas kosten würde? Wenn es sie selber so vital in Gefahr brächte, wie das bei den Redakteuren von „Charlie Hebdo“ ja nun leider wirklich der Fall war?
    Und weiter: Wollen wir uns tatsächlich bedingungslos mit dieser Zeitung solidarisieren, die einen wesentlichen Sinn ihrer Arbeit offensichtlich darin sieht, das lächerlich zu machen, was Anderen heilig ist? Dass die Pressefreiheit dazu da ist, mit spitzer Feder politische Akteure der Gegenwart kritisch und auch satirisch zu begleiten – geschenkt. Ob sie ihren Sinn jedoch darin hat, einfach möglichst jeden Tabubruch zu gestatten und damit die Verletzung von Menschen hinzunehmen, und das übrigens häufig ohne dass darin zugleich irgendeine greifbare politisch weiterführende Botschaft sichtbar würde – das möchte ich doch sehr bezweifeln.
    Ich rede keiner Verschärfung der Pressefreiheit das Wort. Wohl aber dem, dass wir uns in dem, was wir sagen, schreiben oder zeichnen, fragen: Mit welchem Ziel tun wir das? Mit dem Ziel lediglich des Amusements über Andere, die sich vielleicht auch noch richtig verletzt fühlen durch das, was wir da tun? Solch ein Ziel zu verfolgen wäre nicht mutig, sondern – mit Verlaub: infantil.
    Diese Dinge liegen nur scheinbar auf einer ganz anderen Ebene als die Jakobsgeschichte. Die entscheidende Frage ist die: Womit identifizieren wir uns; womit solidarisieren wir uns; wo finden wir uns wieder?
    Ich halte Jakob für eine gute Identifikationsfigur für uns, gerade weil er so ein ambivalenter Mensch ist. Da wird jemand als Stammvater Israels eingeführt, der gerade nicht als in jeder Hinsicht politisch und moralisch korrekt gezeichnet wird. Jakob ist jemand mit richtig zweifelhafter Vergangenheit. Jemand, der nun wirklich keinen Anlass hat, sonderlich stolz auf sich zu sein. Aber jemand, der so, wie er ist, unter Gottes Schutz steht. Und dann: Jemand, der wegen des göttlichen Schutzes, der ihm zuteil wird, nicht auf ewig in der Ambivalenz bleibt, die ihn zunächst kennzeichnet. Jemand, der sich vielmehr weiterentwickelt, hin zu echter Liebesfähigkeit, die durch keinerlei Betrug mehr geschmälert wird. Jemand, den Gott durch eine harte Schule gehen lässt. Aber eben jemand, der sich durch diese harte Schule  führen lässt und sowohl gestärkt als auch verändert aus dieser Erfahrung hervorgeht.
    Mit allzu vollmundigen Identifikationen sollten wir, wie gesagt, vorsichtig sein. Aber es wäre schön, wenn wir etwas von uns in Jakob wiederfinden könnten. Oder etwas von Jakob in uns. „Je suis Jacob?!“ Vielleicht ja doch. Es wäre nicht das Schlechteste, besser jedenfalls als manches Andere, was uns zur Selbstidentifikation momentan so angepriesen wird. Amen.