Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst

Jesus: „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit...“
Sündenvergebung unmöglich?

Teil 4 der Predigtreihe: „Und das steht in der Bibel?
Empörendes und Verstörendes aus dem Alten und dem Neuen Testament“

 

Liebe Gemeinde,
    „Gott vergibt – das ist ja sein Metier!“ – Dieser Satz wird vom französischen Philosophen Voltaire überliefert. Wobei man sofort merkt: dieser Satz ist nicht im Geringsten anerkennend gemeint. Voltaire war ein Spötter und Kirchenkritiker durch und durch. Ein weichgespülter, immer lieber und netter und eben: alles und jedes vergebender Gott schien ihm bedeutungslos zu sein. Und zumindest ich sage von mir selber sehr deutlich: da gebe ich ihm Recht.

    Aber nun kann man Voltaire auch etwas durchaus Ernstes entgegenhalten: welche Bedeutung sollte Gott denn haben, wenn sein Vergeben nicht im Vordergrund stünde? Wenn er nicht derjenige sein sollte, zu dem wir wirklich mit allem, ausnahmslos mit allem, was uns häufig so beschwert, kommen dürften, voll Vertrauen auf – ja, eben: auf seine Vergebung! Sollte es wirklich so sein, dass es Grenzen der Vergebung gibt? Und wo sollten die liegen?

    Jesus sagt zu diesem Thema einmal etwas, das wie kaum etwas Anderes aus seinem Munde zu allen Zeiten Anlass zu Fragen und Verunsicherung gab und gibt. Ich lese Markus 3,28-29:

    „Jesus spricht: Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben, auch die Lästerungen, wie viel sie auch lästern mögen; wer aber den heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.“

    Dieses Wort hat es in sich; hier wird tatsächlich ein Jesusbild brüchig, das wir uns gern von ihm machen. Und zwei große Fragen stellen sich: erstens: Warum sollte es das geben: in einer bestimmten Situation keine Möglichkeit der Vergebung? Ist nicht gerade dies das Wichtigste, das Entscheidende beim Thema Vergebung, dass sie von Gott aus geradezu grenzenlos ist? – Und die zweite Frage: Was ist das überhaupt: „Lästerung des Geistes“? Was hat man sich darunter vorzustellen?

    Auf diese beiden Fragen Antworten zu finden, ist sicher sehr schwierig. Ein Neutestamentler unserer Zeit hat gesagt, man solle über diesen Text am besten gar nicht predigen; er sei einfach zu kompliziert. Aber dazu ist es jetzt zu spät! :) Und ich weiß auch nicht, ob das wirklich besser wäre. Nein, beiden Fragen möchte ich jetzt mit Ihnen nachgehen.

    Wobei ich zunächst noch einen Schritt weiter zurück gehen möchte: wenn ich Jesus so höre, dann bin ich irritiert, noch bevor ich näher frage, was er denn mit dieser „Geisteslästerung“ meint. Denn: was auch immer es sei: wenn wir schon über die schwersten denkbaren Sünden sprechen, wo einem die Rede von der Vergebung im Halse stecken bleibt, dann fallen mir erst mal ganz andere Dinge ein, die mit dem heiligen Geist wenig zu tun haben: Quälerei und Mord an Kindern zum Beispiel; einen Krieg beginnen und dadurch ein ganzes Volk oder gleich mehrere in den Ruin stürzen; Sexualverbrechen und ähnlich furchtbare Dinge. Aber „Geisteslästerung“?
    
    Halten wir hier einen Moment lang inne: was wollen wir eigentlich: soll es „im Prinzip“ für jedes Vergehen die Möglichkeit der Vergebung geben? Oder sind wir dafür, dass es da eine oder gar mehrere Einschränkungen gibt? Grundsätzlich legt die Bibel großen Wert darauf, dass es sie nicht gibt: sie spricht von Gott als dem, „der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen“ (Psalm 103,3). Jesus kann bekanntlich einem der beiden Verbrecher, die an seiner Seite gekreuzigt werden, den Satz sagen: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ Und man unterstelle bitte nicht, das sei bestimmt jemand gewesen, dessen Vergehen nicht so schlimm waren!
 
      Oder denken wir an König David im Alten Testament: der hat immerhin einen Soldaten ganz bewusst ganz vorn an die Front gestellt, damit er dort umkäme, weil David sich seine Frau unter den Nagel reißen wollte! Die Rechnung geht auf: der Mann kommt im Kampf ums Leben; und der König – ein „Schreibtischmörder“ par excellence! – nimmt sich seine Frau! Gott straft ihn – aber dann vergibt er ihm, und er wird Israels bedeutendster Herrscher!
      Schließlich: Paulus, der übelste Christenverfolger schlechthin: mit sadistischer Freude weidet er sich an der Steinigung des Stephanus – und Gott vergibt ihm, ja er macht ihn zum wichtigsten Apostel der jungen Kirche!

    Über weite Strecken, liebe Gemeinde, da vermittelt uns die Bibel den Eindruck: Gott vergibt grenzenlos, ohne Einschränkung. Niemand soll je an einen Punkt totaler Hoffnungslosigkeit kommen müssen. Jeder kann einen neuen Anfang geschenkt bekommen. Um es mit einem Wort aus dem 1. Timotheusbrief zu sagen: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1. Timotheus 2,5). „Allen“ – das sind tatsächlich alle, auch die Massenmörder, Kinderschänder und was weiß ich wer noch!

    Ich stelle mir vor, dass sich hier schon Widerspruch bei manchem unter uns regt. Bei manchen Vergehen, da können wir das kaum akzeptieren, dass dem Verbrecher ein Neuanfang geschenkt werden soll. Da fällt es ja schon schwer genug, nicht die Todesstrafe zu verlangen. Aber „lebenslänglich“ – und zwar im strikten Sinne des Wortes! – muss es ja wohl sein! Drunter geht es nicht, was das Strafrecht angeht! Und was die Religion angeht: „Vergebung“? Das klingt so, als könne die Vergangenheit einfach ad acta gelegt werden. Genau das aber erscheint bei manchen Verbrechen einfach eine unerträgliche Vorstellung.

    Ich weiß noch, dass ich als Kind meine Mutter einmal gefragt habe, ob eigentlich alle Menschen in den Himmel kommen oder ob es jemanden gebe, der so Schlimmes verbrochen habe, dass er nun wirklich kategorisch davon ausgeschlossen sei. Meine arme Mutter! Aber sie stellte sich dieser schwierigen Frage:  wir diskutierten hin und her, und schließlich wollte ich von ihr zumindest einen Menschen wissen, von dem sie das nicht glaube, dass er in den Himmel kommt. Sie tippte damals auf Adolf Hitler – das war natürlich der Superlativ an Abscheulichkeit schlechthin. Gleichzeitig wies sie mich nachdrücklich darauf hin, dass das nur Gott selber ganz sicher wisse. So ganz wohl war ihr selbst bei ihrer Antwort also nicht. Ich akzeptierte, was sie sagte, aber ihre Verunsicherung übertrug sich auch auf mich: mir war irgendwie klar: einerseits wäre es vermessen zu sagen: na logisch, jeder kommt am Ende in den Himmel! Aber andererseits blieb selbst bei Adolf Hitler, diesem Verbrecher ohnegleichen, der Zweifel: woher wollen wir eigentlich so genau wissen, was Gott mit ihm tut? Ja sollten wir nicht ganz bewusst dies in Betracht ziehen, dass er sein Erbarmen tatsächlich auf alle Menschen sich erstrecken lassen könnte?

    Diese Frage wird umso bedrängender, wenn wir bedenken, was uns die moderne Psychologie und in letzter Zeit vor allem die Hirnforschung lehrt: zumindest  bei manchen Verbrechern ist das mit der „vollen Verantwortung“, mit der Fähigkeit zur eigenständigen Entscheidung so eine Sache: da gibt es eine Menge Faktoren, die auf einen Menschen einwirken und es enorm beeinflussen, ob er nun zum Wohltäter oder zum Kriminellen wird. Und es ist inzwischen banal festzustellen: man kann einen Menschen nicht einfach ausschließlich nach dem beurteilen, was er tut, sondern muss dies immer im Zusammenhang seines gesamten Lebens in den Blick nehmen.  Und für so manches Verbrechen gibt es da völlig zu Recht die berühmten „mildernden Umstände“.

    Was nun umgekehrt keine Pauschal-Absolution für alle Verbrecher sein darf, so als gebe es so etwas wie persönliche Verantwortung und Pflicht zur Rechenschaft über die eigenen Taten nicht mehr. Ich will darauf jetzt nicht im Detail eingehen, aber wir sehen zumindest dies: es ist gar nicht so leicht, eindeutige Kriterien dafür zu finden, ob Vergebung am Ende wirklich für alle Menschen angebracht ist oder nicht.

    Nun hat das Judentum vor Jesus jedenfalls auch schon durchaus von unvergebbaren Sünden gesprochen. Und da wird in der Regel gesagt: unvergebbar ist, wenn jemand die Grundlagen des Glaubens leugnet. Also etwa, wenn er vom Bund Gottes mit Abraham nichts wissen möchte, wenn er nicht an die Auferstehung der Toten glaubt, oder wenn er bestreitet, dass die Torah von Gott herkommt.

    Das freilich wäre für uns heute nun kaum nachvollziehbar. Dass es etwa schlimmer sein sollte, wenn jemand das erste Gebot missachtet, das den Glauben an den einen Gott einschärft, als wenn er etwa gegen das 6. Gebot verstößt: Du sollst nicht töten. Bei uns hat sich der Akzent eindeutig weg von den „religiösen“ und hin zu den „ethischen“ Geboten vollzogen. Ob das immer so gut ist, lasse ich hier einmal dahingestellt.

    Aber nun kommt es noch dicker: Jesus hat sich mit seinem unbequemen und rätselhaften Spruch über die Lästerung des Geistes in die durch seine jüdischen Vorfahren gezeichnete Linie hineingestellt. Ob es uns nun passt oder nicht: er redet in der Tat nicht dem das Wort, was wir Theologen die „Allversöhnung“ nennen. Und er nennt als unvergebbares Verbrechen eben nicht Mord und Totschlag oder Ähnliches, sondern spricht von einer Sünde, die es mit der Beziehung des Menschen zu Gott zu tun hat. Zugleich hat Jesus mit seiner rätselhaften Formulierung eher noch mehr Fragen als Antworten auf das Problem gegeben. Und vielleicht ist das ja gar kein Zufall, sondern volle Absicht?! Lassen Sie uns genauer hingucken: den „heiligen Geist lästern“ – was meint Jesus damit?

    Interessanterweise fand ich in der Literatur keinen Theologen, der unter dieser rätselhaften, unvergebbaren Sünde eine bestimmte Einzeltat verstanden hätte. Es geht vielmehr um eine bestimmte Haltung, in der ein Mensch sündigt.

      So sagt zum Beispiel der Kirchenvater Hieronymus: Die Sünde gegen den Geist ist gegeben, wenn jemand eindeutig wider besseres Wissen sündigt, wenn er also Gottes Werke sieht und sie dennoch verleugnet und Gottes Boten, die doch seinen Geist haben, als vom Satan besessen diffamiert.

      Für Luther ist die Lästerung des Geistes dann gegeben, wenn eine Sünde sich nicht erkennen und bekennen lassen will. So könne es eben auch keine Reue geben; mithin könne diese Sünde nicht vergeben werden.

      Ähnlich sagt es der katholische Kardinal Bellarmin, der sich sicherlich nicht mit Luther abgesprochen hat, kurz nach ihm: Lästerung des Geistes, das ist, wenn jemand in seiner Sünde verharrt wie ein Kranker, der das einzige für ihn heilsame Medikament kategorisch und zeitlebens zurückweist und deshalb nicht gesund werden kann, sondern an seiner Krankheit sterben muss.

    Entscheidend bei diesen Deutungen ist dies: das Unvergebbare wird nicht länger in der Natur dieser oder jener Verfehlung gesehen, für die es auf Gottes Seite kein Pardon gäbe, sondern in der konsequenten Weigerung des Menschen, seine Sünden zu bekennen und damit die Möglichkeit zur Vergebung zu erhalten. Es handelt sich also um eine Unmöglichkeit der Vergebung, die nicht etwa auf seiten Gottes anzusiedeln ist, sondern auf seiten des Sünders.

      Und was hat die so verstandene Sünde mit dem Heiligen Geist zu tun? Nun: dieser ist ja sozusagen „Gott unter uns in Aktion“. Und damit bedeutet „Lästerung des Geistes“ eben die konsequente Zurückweisung des gesamten Wirkens, der gesamten Zuwendung Gottes an einen Menschen durch diesen Menschen.

    Stellt uns diese Form der Erklärung des Jesuswortes nun zufrieden? Ich weiß nicht so recht: einerseits leuchtet sie mir schon eher ein, als wenn ich mir vorstellen sollte, es ginge so zu wie mit einer Maus in der Falle: einmal bewegt sich die Maus falsch, und: zack, die Falle schnappt zu. Ja ich gestehe Ihnen: selbst für einen Massenmörder, ja sogar für einen Adolf Hitler wäre mir die Vorstellung grauenvoll, er könne grundsätzlich keine Vergebung erlangen, wenn er denn Einsicht in seine Verbrechen gewönne und ernsthaft um Vergebung bäte. Ich hoffe in der Tat und vertraue darauf, dass von Gottes Seite aus die Tür zur Vergebung niemals ganz verschlossen sein wird! Und wiederum Martin Luther weist uns eben darauf hin, indem er sagt: „Es haben sich auch viel Lehrer damit bekümmert, was solche Lästerung wider den Heiligen Geist sein möge, weil doch viele Leute gewesen sind, die wider das Evangelium gestrebt und gelästert haben und dennoch bekehrt sind.“ Siehe den Schreibtischmörder König David und den Christenverfolger Paulus – nicht nur, dass ihnen vergeben wurde; nein: sie sind ja geradezu zu Säulen des Glaubens geworden!

    Aber wenn jemand nun tatsächlich aus freien Stücken konsequent in dem Zustand beharrt, seine Sünde nicht erkennen zu wollen? Kommt es da nicht geradezu einer Würdigung dieses Menschen gleich, ihm die Vergebung vorzuenthalten? In dem Sinne, dass Gott die Freiheit dieses Menschen zum Sündersein ernst nimmt und ihn folglich in diesem Zustand belässt?

    Auf der einen Seite ist an diesem Gedanken durchaus etwas dran. Man kann den Standpunkt vertreten: wenn denn jemand klar und eindeutig bis zum Tode nichts von Gott, von Sünde und von Vergebung hören will, dann – ja dann soll es eben nicht anders sein.

    Auf der anderen Seite scheue ich davor zurück, dies für das letzte Wort halten zu sollen, das über einen solchen Menschen von Gottes Seite zu sprechen wäre. Bemühen wir noch einmal die Verhaltenswissenschaften: können wir denn tatsächlich davon ausgehen, dass jemand seine Entscheidung gegen Gott „aus freien Stücken“ trifft, so wie ich das gerade formuliert habe? Ich weiß es wirklich nicht, aber ich habe seit geraumer Zeit immer größere Zweifel daran, wie es wirklich um unsere menschliche „Entscheidungsfreiheit“ steht. Wir sind zwar keine durch und durch programmierten Automaten – hoffe ich jedenfalls! –, aber in mir sträubt sich etwas dagegen, eine menschliche Willensbekundung als entscheidend dafür anzusehen, was ein für alle Mal definitiv aus diesem Menschen wird. Niemand von uns hat eine auch nur halbwegs zureichende Vorstellung davon, was mit Begriffen wie „ewiges Leben“ oder auch „ewiges Verderben“ gemeint ist. Aber dass es da um etwas Definitives, Unumkehrbares geht, das ist eindeutig. Und darüber soll das Reden oder Handeln eines kleinen Menschleins entscheiden, das zufällig hierhin oder dorthin geworfen ist, unter diesen oder jenen Lebensbedingungen?

    Andererseits ist natürlich ebenfalls klar: mit einem lockeren „Schwamm drüber!“ ist es bei vielen Vergehen einfach nicht getan. Das wäre dann wieder der Gott, über den Voltaire spottet. Nein, ich möchte an dieser Stelle – auch wenn Sie das wundern mag! – eine Anleihe bei einem klassischen Gedanken der römisch-katholischen Theologie machen: bei der Lehre vom Fegefeuer. Natürlich könnte man dazu aus evangelischer Perspektive auch viel Kritisches sagen. Aber etwas Positives daran möchte ich in Erinnerung rufen: das Fegefeuer – das ist ja mitnichten das endgültige Verderben, das einen Sünder ereilt, nein: das ist ein Bild für die sogenannten „zeitlichen Strafen“. Die zu erleiden ist sicher schlimm genug, aber für den sie erleidenden Sünder haben sie nicht zuletzt auch den Sinn, dass ihm dadurch die letzte, „ewige Strafe“ erspart bleibt, dass er sich vielmehr letzten Endes auf die himmlische Vollendung freuen kann!

    Wie gesagt: eine typisch katholische Vorstellung. Aber doch eine solche, die einen wichtigen Gedanken festhält: Sünde verlangt nach Strafe, aber es soll noch eine Tür offen bleiben für Gottes letztgültiges Erbarmen! –

    Liebe Gemeinde, wir sind hier an einen Punkt gelangt, an dem es keine glatte Lösung gibt. Und das ist wohl auch gut so; manchen fundamentalen Fragen unseres Lebens kommt das einfach nicht zu: dass es auf sie „Patentantworten“ gibt. Wir geben diesen Fragen gerade dadurch die Ehre, dass wir sie nicht schlüssig zu beantworten versuchen.

    Und an diesem Punkt habe ich eben die Vermutung: es ist kein Zufall, dass Jesus hier so rätselhaft spricht: „Wer aber den heiligen Geist lästert...“ (??!!). Vielleicht will Jesus ja beides: zum einen will er herausstellen: es wäre zu billig, von Gott so zu reden, wie Voltaire es spöttisch tut, aber wie es leider manch allzu soft geratener Theologe bisweilen auch im Ernst meint tun zu sollen. Und zum anderen scheut Jesus doch auch davor zurück, nun in allzu simpler Manier die eine oder andere Sünde zu nennen, die zwangsläufig ewige Verdammnis nach sich zieht. Gott ist kein Automat: weder in puncto Vergebung noch andererseits in puncto Bestrafung! So lässt uns Jesus in gewisser Weise in der Schwebe und hält auf diese Weise die Frage nach Sünde und Vergebung bei uns lebendig.

    Eines jedoch will er bestimmt nicht: Menschen verunsichern, so dass sie sich angsterfüllt fragen: O je: gehöre ich nun zu denen, die diese Sünde der Geisteslästerung begangen haben? Droht mir am Ende ewige Verdammnis? – Nein, ich sage Ihnen: wer solche Ängste hat, genau der hat keinen Grund, sie zu haben! Am ehesten noch der, der ohne jeden Selbstzweifel und zugleich ohne Rücksicht auf Verluste um sich herum durch diese Welt stolziert! So einer ist etwa der Pharisäer in unserem heutigen Lesungstext. Ihm und seinesgleichen sei der irritierende Vers zur Mahnung gesagt. Und sobald er sich mahnen lässt, darf er gewiss sein: die Mahnung gilt für ihn nicht länger; es gilt vielmehr, was Jesus über den Zöllner im selben Lesungstext sagt: Dieser Mann ging nach Hause als ein Gerechter. Ich könnte auch sagen: ihm wurde vergeben. Ohne jeden Abstrich. Amen.

    

  

Predigt-Archiv

In unserem Archiv haben wir über 500 Predigten aufbewahrt. Alle Predigten wurden in den Predigtstätten der Kottenforstgemeinde von unseren Pfarrern, Vikaren und Gastpredigern in den Jahren  2003 bis 2016 gehalten. Die Predigten eines Jahres sind in jeweils in einer pdf-Datei zusammengefasst, die nach Stichworten durchsucht werden kann.