Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst

Teil 4 der Predigtreihe „Sünde“

 


„Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.“

Liebe Gemeinde!
Wenn Sie jetzt, nachdem Sie gerade diese Worte des Paulus aus dem 7. Kapitel seines Briefes an die Römer gehört haben, mehr oder weniger ratlos und verwirrt da sitzen, wenn Ihnen noch die Schlüsselwörter des Textes „Gesetz“, „Fleisch“ und „Sünde“ wie große Fragezeichen durch den Kopf schwirren und sich der fatale Eindruck Ihrer bemächtigt, Sie hätten so gut wie gar nichts verstanden, so möchte ich Sie gleich zu Beginn der Predigt trösten: kaum einem Menschen geht das anders! (Ich selber habe einmal ein ganzes Semester lang eine Seminarveranstaltung nur zu diesem einen Kapitel Römer 7 besucht, und doch habe ich auch danach leider nicht den Eindruck, ich hätte nun wirklich den vollen Durchblick!) Die Gemeinde in Rom kann einem richtig leid tun angesichts dieses Stückes hochkonzentrierter Theologie, das ihr da von ihrem Apostel zugekommen ist. Und es dürften Passagen wie diese sein, die an einer anderen Stelle im Neuen Testament den Verfasser des 2. Petrusbriefes nicht ohne Ironie sprechen lassen von dem „lieben Bruder Paulus“, der zu schreiben pflegt „nach der Weisheit, die ihm gegeben ist“ und in dessen Briefen „etliche Dinge schwer zu verstehen sind“! An dieser bereits biblischen Feststellung hat sich bis heute nichts geändert!

Warum also diese schwierigen Worte zum Predigttext hochstilisieren? Warum sich damit abmühen? Ganz einfach: weil Paulus hier mitten in den ganzen rätselhaften Wendungen einer Lebenserfahrung Ausdruck verleiht, die nach meinem Dafürhalten zum Wichtigsten gehört, was unsereiner immer wieder an sich spürt. Zum Wichtigsten, freilich auch zu dem, was uns am meisten belasten kann. Paulus sagt es so: „Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“

Wer kennte diese Erfahrung nicht? Wir wissen, was eigentlich gut wäre. Wir nehmen es uns auch vor. Aber dann merken wir, wie wir so ziemlich das Gegenteil davon tun, ja wir spüren, wie uns unser eigenes Handeln gleichsam den Boden unter unseren Füßen wegzieht, weil es nicht dem entspricht, was wir eigentlich tun wollen.

Da haben wir Eigenschaften, unter denen wir richtig leiden. Der eine ist ungeduldig, der andere jähzornig, wieder einer pedantisch, noch ein anderer ständig desorganisiert. Und alle nehmen sich vor: das soll nicht so bleiben. Aber das ist nun mal leichter gesagt als getan. Werden Sie mal sozusagen auf Knopfdruck langmütig und stets entspannt, wenn Ihnen die naturgegebene Ungeduld unter den Nägeln brennt! Verwandeln Sie mal einen stets aufbrausenden Heißsporn in ein friedliches Lamm! Zaubern Sie mal Großzügigkeit herbei, wo Pedanten das Feld beherrschen, oder polen Sie mal einen Messie um in einen Buchhalter! Viel Vergnügen! – Nein: spätestens unter etwas Stress zeigt sich bei jedem doch schnell wieder das ursprüngliche Naturell.

Diese Feststellung kann uns wieder einmal schwer ernüchtern im Hinblick auf unsere hochtrabenden Vorstellungen von unserer menschlichen Freiheit. Der Rahmen, innerhalb dessen wir wirklich selber entscheiden, wie wir uns verhalten, dürfte wesentlich enger sein, als wir meist meinen. Und das wird insbesondere da deutlich, wo wir uns ungeschminkt die Maßstäbe vor Augen halten, nach denen unser Leben eigentlich laufen sollte! Sollte – aber eben nur selten läuft! Gerade angesichts dieser Maßstäbe erweist sich unsere Schwäche erst so richtig als eklatant! Oder, mit den Worten des Paulus gesprochen: angesichts des „Gesetzes“ tritt die „Sünde“ erst so richtig in Erscheinung! Unser Geist mag willig sein, aber unser „Fleisch“, unsere menschliche Natur ist und bleibt schwach. (Erinnern wir uns an den Text aus der Lesung und die Jünger: Jesus hatte sie  gebeten, mit ihm zu wachen, aber ein ums andere Mal schlafen sie ein!)

Woran sich freilich sofort die nächste und entscheidende Frage anschließt: Wie steht es unter diesen Bedingungen mit unserer Verantwortung für das, was wir tun und lassen? Es ist so ähnlich wie vor 2 Wochen, als wir mit Psalm 51 über die sogenannte „Erbsünde“ nachdachten: wenn wir letzten Endes gar nicht anders können als immer wieder zu versagen, dann kann uns doch keiner wirklich dafür verantwortlich machen! Dann kann man doch auch nicht von „Sünde“ sprechen, höchstens von einem tragischen Schicksal! Oder?!

Dazu eine kleine Anekdote: gerade während ich in den vergangenen Tagen mit der Vorbereitung dieser Predigt beschäftigt war, erzählte mir eine junge Mutter von ihrem 3-jährigen Sohn, der etwas Verbotenes getan hatte, weshalb sie tüchtig mit ihm schimpfte. Darauf der Junge: „Mama, ich hab’ das eigentlich gar nicht selber getan! Das sitzt hier in mir drin, unter meiner Haut, und ich kann da gar nichts gegen machen!“ – So spricht ein Dreijähriger!! Wie perplex die Mutter war, können Sie sich vorstellen! Der Junge bemühte sich dann noch, den genauen Sitz des Bösen in der Gegend um seine Speiseröhre herum zu lokalisieren, was das Erstaunen der Mutter dann doch eher in Amusement umschlagen ließ... Sei’s drum: ich finde es sagenhaft, wie da ein Kleinkind bereits etwas verspürt von dem, was Paulus „das Gesetz in meinen Gliedern“ nennt! Wobei zugleich deutlich wird, wie praktisch dieser Gedanke ist, weil man die Verantwortung für das eigene Tun und Lassen damit ja so wunderbar leicht an dieses Etwas in der Gegend der Speiseröhre abgeben kann! :)

Und das sind nicht nur Überlegungen eines Dreijährigen: ebenfalls letzte Woche las ich einen Artikel in einer Zeitschrift, in dem es um neuere hirnphysiologische Erkenntnisse zum freien Willen ging: da wurde das sogenannte „Libet-Experiment“ dargestellt, nach dem amerikanischen Hirnforscher Benjamin Libet. Er hat Messungen durchgeführt, die das Ergebnis brachten, dass elektrische Impulse unser Gehirn schon zu bestimmten Handlungsweisen veranlassen, bevor wir den entsprechenden bewussten Entschluss fassen. Böse gesagt: unser Gehirn betrügt uns: es hat unser Handeln längst eingeleitet und vermittelt uns erst dann das Gefühl, wir selber hätten einen Entschluss gefasst.

Eine solche Vorstellung hat natürlich enorme Konsequenzen auf das gesellschaftliche Leben: im Grunde müsste jede Rechtsprechung abgeschafft werden. Denn niemand ist ja mehr wirklich verantwortlich für sein Tun und Lassen. Ja noch mehr: im Grunde endet hier die menschliche Würde; der Mensch müsste vielmehr künftig wie die Tiere nur noch als instinktgesteuert gelten, und ich wette, dann wäre es bald mit jedem besonderen Respekt vor unserer Gattung aus und vorbei.

Nun lassen andere Hirnforscher Vorsicht walten, bevor sie allzu schnell auf die Kategorie der menschlichen Freiheit verzichten. Sie kommentieren die Untersuchungen Libet’s unter wissenschaftlichem Gesichtspunkt eher mit Reserve und werfen ihm vor, allzu weitreichende Schlüsse daraus zu ziehen. Schließlich sehen sie die Gefahr seiner Theorie: wo alles auf der Welt sozusagen als ferngesteuert gilt, da fällt jeder Impuls, gestaltend auf diese Welt einzuwirken, dahin. Was bliebe, wäre nichts als Fatalismus, Schicksalsergebenheit, Achselzucken. Und das wäre nichts weniger als der komplette Verzicht auf alles, was Kultur genannt werden könnte, auf Gerechtigkeit, auf Zuwendung zum Menschen in welcher Form auch immer. Wer könnte das ernsthaft wollen?

Und bereits Paulus geht ja durchaus nicht so weit, das Wort „Sünde“ aus seinem Wortschatz zu streichen, nur weil er etwas über die Grenzen menschlicher Freiheit herausgefunden hat. Der Gedanke wäre zwar verführerisch – das zeigt schon die Geschichte des kleinen Jungen! –, aber Paulus lehnt ihn ab. Warum lehnt er ihn ab? Wo er doch so nahe läge!?

Paulus lehnt diesen Gedanken ab, weil er weiß: die Unfreiheit, die er selber festgestellt hat, kann durchbrochen werden! Dafür steht für ihn Jesus Christus gut. Er, der nicht von irgendeinem Zwang zum Sündigen in der Speiseröhre oder sonst wo beherrscht wurde. Der vielmehr wirklich so uneingeschränkt frei war, dass ihn nicht länger die Sorge um das eigene Wohl regierte! Der sich uns vielmehr ganz  und gar geben und damit auch uns ganz und gar vergeben konnte! Und der uns damit eine Wirklichkeit eröffnet hat, die diesen Zwang zur Sünde nicht mehr kennt! Dieser Jesus Christus hat Paulus von Grund auf verändert, und das erhofft Paulus auch für die Adressaten seines Briefes, ja für uns alle. Deshalb heißt es am Ende unseres Predigttextes: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ Nachdem er in langen Reflexionen die ganze Misere des Menschen ohne Christus dargelegt hat, löst Paulus also hier die Spannung: so muss es nicht bleiben; Christus befreit aus den unheilvollen Zusammenhängen von Gesetz und Sünde.

Wobei – ganz das Ende unseres Predigttextes war das ja noch nicht. Ein halber Vers folgt noch; der freilich hat es in sich: „So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.“

Was machen wir nun mit diesem halben Vers? Er ist in seiner Bedeutung für den gesamten Text ja gar nicht zu überschätzen: Nehmen wir ihn ernst, so stellt er alles infrage, was Paulus gerade über die Erlösung aus diesem unheilvollen Zusammenhang von Sünde und Gesetz gesagt hat! Ja er stellt es nicht nur infrage, sondern er konstatiert gleichsam einen Rückfall des Paulus in die alte Existenz vor Christus, nachdem Christus ihn doch eigentlich in eine neue Existenz hinein befreit hat! Dieser letzte kleine Halbvers hat sozusagen die Funktion eines Vorzeichens vor der Klammer: nehmen wir ihn ernst, so steht vor der Erlösung des Paulus wieder ein „Minus“, so dass das gesamte Christusgeschehen letzten Endes kraftlos, wirkungslos erscheint. Was also tun?

Die meisten Ausleger wollen diesen Widerspruch, der durch den letzten Halbvers in den Text hineinkommt, nicht hinnehmen. Sie wollen sich gewissermaßen die Verwandlung des Paulus nicht durch diesen Halbvers wieder kaputtmachen lassen und halten ihn deshalb aus inhaltlichen Gründen für einen nachträglichen Einschub, der unmöglich von Paulus selber stammen könne.

Nun gibt es solche Einschübe durchaus hier und da im Neuen Testament. Aber hier sind die Dinge schwieriger als anderswo: denn meist werden solche Einschübe daran erkannt, dass sie in manchen Handschriften fehlen oder je nachdem an unterschiedlichen Stellen stehen. Dieser Halbvers Römer 7,25b hingegen steht wirklich in jeder uns bekannten Handschrift, und zwar immer an derselben Stelle. Ist wirklich anzunehmen, er sei nachträglich eingefügt worden, wenn sich nicht wenigstens ein Dokument findet, in dem er fehlte oder woanders stünde? Ich weiß: es wäre ja so schön, so glatt, so harmonisch, wenn wir ihn, der die gesamte Aussage des Textes infrage stellt, einfach mal eben aus diesem hinauswerfen könnten!

Doch Sie merken schon: ich zögere, das zu tun! Zum einen, weil äußerlich, von der Textüberlieferung her, nun mal leider nicht der geringste Anlass dazu besteht. Zum anderen, weil ich es für sehr problematisch halte, eine inhaltliche Sperrigkeit alleine für ein ausreichendes Kriterium zu solch einer Maßnahme zu halten. Vor allem jedoch, weil ich meine: gerade in seiner inhaltlichen Sperrigkeit ist der Halbvers ungemein nachdenkenswert; gerade in seiner den harmonischen Verlauf des Bibeltextes störenden Eigenart bringt er die widersprüchliche Erfahrung auf den Punkt, die wir auch als Christen immer wieder machen: dass wir leider eben auch im Glauben an Christus über diesen Konflikt zwischen Wollen und Vollbringen nicht einfach ein für alle Mal erhaben sind! Dass uns in diesem Sinne unsere endgültige Erlösung eben noch bevorsteht!

In der Tat kann Paulus so formulieren, dass man den Eindruck gewinnt: für einen Menschen „in Christus“ gelten gänzlich neue Bedingungen, unter denen er sein Leben führt: wenn er etwa im 2. Korintherbrief, Kapitel 5 schreibt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe: Neues ist geworden.“ Aber auf der anderen Seite weiß er eben auch: „Wir leben im Glauben und nicht im Schauen“, wie er es im selben Kapitel 5 des 2. Korintherbriefes formuliert.

Und hier, in dieser Widersprüchlichkeit, könnte ich mich mit meiner Erfahrung jedenfalls eher einklinken als da, wo mir jemand plausibel machen will, als Christ hätte ich den schmerzlichen Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen gänzlich hinter mir! Da müsste man mir dann wohl mein Christsein absprechen. Das jedoch würde ich mir nicht gefallen lassen! Und ich hoffe, Sie auch nicht!

Ja vielleicht ist es gerade Zeichen des Christseins, dass wir diesen Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen als so ungemein schmerzlich empfinden! Wir wissen ja, dass er von Christus her eigentlich nicht bestehen dürfte! Vielleicht, ja hoffentlich machen wir auch immer wieder die Erfahrung, dass Wollen und Vollbringen durchaus in Einklang stehen können. Aber dann machen wir eben auch immer wieder diese Erfahrung der Diskrepanz zwischen beiden.

Martin Luther war es, der diese belastende Situation auf sehr tröstliche Weise in den christlichen Glauben integriert hat: er sagt in seiner Auslegung unseres Textes: „Sieh: ein und derselbe Mensch dient zugleich dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Sünde; er ist zugleich gerecht und sündigt...“ Aber Luther lässt beides nicht einfach nebeneinander stehen, sondern bringt die besondere Dynamik zum Ausdruck, die zwischen den beiden Polen herrscht: er sagt: Die Christen sind „in Wirklichkeit krank, aber anfangsweise und in der Hoffnung gesund oder richtiger: gesundgemacht, das heißt im Begriff stehend gesund zu werden...“

Weil diese Dynamik herrscht, haben wir keinen Anlass, über dem Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen zu verzweifeln. Wir sollen vielmehr gerade da, wo wir unweigerlich immer wieder versagen, wo wir scheitern, diese Hoffnung auf unser Gesundwerden festhalten.

Und von dieser Hoffnung her soll uns auch nicht ständig die Sorge regieren, wir könnten ja doch wieder in den Machtbereich der Sünde zurückfallen. Ja!, sagt Luther, das tun wir; so ist das nun einmal! Er wagt hier ein richtig provozierendes Wort: Wenn du von der Sorge geplagt wirst, die Sünde hätte dich im Griff, dann steh nicht starr wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern – und nun Originalton Luther: „Dann sündige kräftig – aber glaube noch kräftiger!“ Das heißt doch: dann triff deine Entscheidungen im vollen Bewusstsein, dass sie vielleicht falsch sein mögen – aber verlass dich umso mehr darauf, dass du mit all deinem Versagen bei Gott in guten Händen bist! „Sündige kräftig – aber glaube noch kräftiger!“

Ich denke, es versteht sich von selber, dass Luther hier keinem gewissenlosen Überschreiten der Gebote Gottes das  Wort reden möchte. Wohl aber will er diejenigen trösten, denen ihr Gewissen die Luft zum Atmen zu nehmen droht!

Liebe Gemeinde, wir haben ein Stück Weg mit diesem so schwierigen Kapitel Römer 7,14-25 zurückgelegt. Das Kapitel wird auch weiterhin schwierig bleiben. Aber ich hoffe doch, dass durch das Dickicht der komplizierten Aussagen und Wendungen hindurch die Botschaft aufgeleuchtet ist, die Paulus hier von Anfang bis zum Schluss predigt: Gott nimmt uns Menschen gerade in unserem Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen an, so wie wir sind. Und er lässt uns in Jesus Christus immer wieder einen Einblick in seine Vollendung tun, in der dieser Zwiespalt einmal restlos ausgeräumt sein wird. Noch sind wir dort nicht. Aber wir dürfen uns in all unserer Unvollkommenheit daran festhalten: eines Tages wird Gott uns an seiner Vollendung teilhaben lassen, ganz und gar! Und ob man’s glaubt oder nicht: in dieser Zuversicht wird sogar dieses belastende und zerstörerische Phänomen Sünde ein Stück weit erträglicher! Amen.