Konfirmanden

Predigt vom 20.11. mit Beteiligung der Konfirmanden

Es gibt viele Themen, über die es sich lohnt, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.
Diese jungen Menschen haben einiges erlebt, vieles beobachtet und sie sind dabei, sich in der Welt der Erwachsenen einzufinden.
In den letzten Wochen haben wir uns im Konfirmandenunterricht ausschließlich mit dem Thema „Sterben“ und dem „Tod“ beschäftigt.
„Das ist ein Sprung ins kalte Wasser!“ möge man denken, wo ich die Jugendlichen doch gerade erst kennen gelernt habe.
Ich habe erfahren, in wie vielen unterschiedlichen Situationen junge Menschen, seien es Kindheitserinnerungen und aktuelle Anlässe, mit Sterben und Tod konfrontiert sind.
Hören wir in der heutigen Predigt einige Auszüge unserer Gespräche, zwischendurch gesprochenen von Konfirmanden.
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„Der Tod ist lange kein Thema mehr, worüber wir schweigen müssen.“ So schreibt es einer von Euch auf einen Zettel.
Wo und wie habt seit ihr mit euren knapp 14 Lebensjahren bereits mit Sterbenden und dem Tod in Berührung gekommen?
Z.B. bei öffentlichen Schweigeminuten.
„Ich habe solch eine Schweigeminute in der Schule schon einmal mitgemacht. Ich habe mich in dieser Trauerminute mehr mit dem Thema Terrorismus auseinandergesetzt und über den Anschlag und über das, was passiert ist nachgedacht, als über die Verstorbenen. Es war traurig, wenn man daran denkt, wie viele Menschen jemanden verloren haben, den sie lieben.“
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Wann habt ihr Euch mit dem Tod noch nachgedacht? Einige schreiben über Ihre Großeltern:
„Wie ist das, wenn die Großeltern sterben? Meine Großeltern und ich haben ein super Verhältnis und treffen uns 3-4 Mal die Woche. Wir erklären uns alles und machen so viel wie möglich miteinander. Was tun, wenn sie nicht da sind? Ich würde mich absondern, vor allem als mein Opa Krebs hatte. Ich wusste nicht, was ich machen soll, wenn sie nicht mehr da sind. Ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen sollte.“
„Meine Großeltern, vor allem die Opas sind schon öfters fast gestorben, aber das war vor meiner Geburt. Deshalb habe ich mich schon gefragt, was mit mir wäre, hätte ich meine Opas nicht kennen gelernt, aber so richtig kann ich mir das nicht vorstellen.“
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Die Hälfte der Konfirmanden haben in den letzten Wochen Interviews geführt mit einer Person ihrer Wahl. Darin wurden u.a. folgende Fragen gestellt: „Wann haben Sie zum ersten Mal über das Sterben nachgedacht? Mit wem haben sie bisher darüber gesprochen. Was mache ich, wenn ich übrig bleibe? Fühlt man Trauer, Schmerz oder sogar Reue? Was ist schlimmer: Etwas unfertig zurücklassen zu müssen oder nicht zu wissen, wie es nach dem Tod weitergeht?“


Paula:
„Was ist schlimmer: Erst fand ich es schwer auf die Frage zu antworten, da man beides ungern akzeptieren würde. Doch dann fand ich eine passende Antwort. Ich würde lieber nicht wissen, wie es nach dem Tod weitergeht als etwas unfertig zurückzulassen. Ich meine, man wird zwanghaft erfahren, was nach dem Tod passiert, aber wenn man stirbt und man lässt etwas unfertig zurück, ist das so. Man kann es nicht beenden. Niemals! Für mich wäre es z.B. sehr schlimm, wenn ich mit jemandem Streit hätte und derjenige oder ich würde sterben ohne, dass man sich vertragen konnte. Genauso schlimm fände ich es, z.B. wenn jemand stirbt und ich das Gefühl hätte, ihm etwas wichtig nie oder selten gesagt zu haben.“


Wie erging es Ihnen als Sie einen Sterbenden begleitet haben? Konnten Sie sich aussprechen? Hatten Sie die Möglichkeit, zu reden und verstanden zu werden? Wie gelingt es Menschen damit umzugehen, etwas unfertig zurückzulassen?

Wir haben uns im Unterricht versucht vorzustellen, wie es wohl heute am Totensonntag in der Kirche sein wird. Trauer wird zu spüren sein. Gedeckte Farben in der Kleiderwahl. Der Gottesdienst wird geprägt sein vom Tod und der Hoffnung auf die Auferstehung.
Und mitten drin befindet sich der gesamte Jahrgang der Konfirmanden. Sie kennen die Verlesenen nicht. Sie kennen nur einen Bruchteil der sonntäglichen Gemeinde. Im Unterricht fragten wir uns: Wie gelingt es einer Gemeinde im Gottesdienst am Totensonntag, die Hinterbliebenen zu stärken? Hören Sie einige Zitate:
„Man kommt gerade wegen der Angehörigen. Man zeigt diesen Hinterbliebenen, dass sie nicht alleine sind. Wir nehmen alle Anteil. Wir denken an Sie, die Hinterbliebenen, seit Wochen, obwohl wir die Konfirmanden Sie heute zum ersten Mal sehen. Besonders in dieser Stunde um 11 Uhr in der Thomaskirche wollen wir Ihnen als Gemeindemitglieder zeigen, dass wir bei Ihnen sind.
Wir versuchen, Ihnen durch unsere Gedanken in der Predigt Trost zu spenden. Lange haben wir über die vorgeschlagenen Predigttexte gesprochen. Wir haben uns dagegen entschieden. Wir möchten Ihnen, den Hinterbliebenen, heute den Zuspruch Gottes aus dem Jesaja Buch mit auf den Weg geben. Dort heißt es im 43. Kapitel:

Isaiah 43:1  Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Isaiah 43:3   3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Isaiah 43:5  5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.


Wir wollen Ihnen mit dieser Predigt eine Möglichkeit bieten, sich von ihren Verstorbenen zu verabschieden.
Stücke der Erinnerung wie z.B. das Elternhaus sind vielleicht bereits verkauft, deshalb ist es für den ein oder anderen schön, sich in der Kirche zu treffen.
Vielleicht gibt es ja Kraft, wenn man sieht, dass auch andere trauern und in die Öffentlichkeit kommen. Man trauert nicht für sich, sondern die Gemeinde trauert.
Vielleicht hilft es Ihnen auch, dass wir den Verstorbenen des letzten Jahres an einem normalen Sonntag gedenken. Heute ist eben nicht Montag oder Samstag. Wir kommen zusammen, so wie jeden Sonntag und nehmen alle Gemeindemitglieder in unserer Mitte auf.
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Diese Zitate möchte ich unkommentiert stehen lassen, denn sie sprechen in Ihrer Eindrücklichkeit für sich.
Während wir über Totensonntag nachdachten, kamen wir darauf, wie man Hinterbliebenen begegnet. Üblich ist beim ersten Kontakt die Formel: „Mein Beileid.“ Man sagt dies aus Höflichkeit und aus der Tradition heraus. Ohne diese feststehende Floskel müsste sich jeder einen eigenen Satz überlegen. Was meinen diese Worte, die uns in einer bedrückenden Situation so sehr entlasten?
„Ich leide mit Dir. Du trauerst nicht alleine. Ich bin bei Dir und möchte Dich trösten.
Man braucht zwar besonders Familie und Freunde zur Unterstützung bei einem Tod, aber auch Fremde können helfen. „Mein herzliches Beileid“ ist eine Hilfe in traurigen und schwierigen Situationen, die einen Dialog eröffnet.
Eine weitere denkbare Möglichkeit wäre der Zuspruch Gottes. Stellen wir uns vor, Sie stehen vor der Tür, klingeln und möchten Ihr Beileid aussprechen. Die Floskel wird leer und halbfertig. Welche Wohltat könnte es für das Gegenüber bedeuten, zitierte man aus der Bibel:


Isaiah 43:1  Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Isaiah 43:3   3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Isaiah 43:5  5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.
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Letzten Dienstag und Donnerstag dann waren wir so weit in in das Thema eingedrungen, dass wir uns einer der schwierigsten Fragen beim Sterben widmeten. Was passiert nach dem Tod?


Alexandra:
"Was passiert nach dem Tod? Für viele Leute ist es ein beunruhigendes Gefühl, nicht zu wissen, wie es nach dem Tod weiter gehen soll. Vielleicht kommt man in den Himmel oder vielleicht passiert auch einfach gar nichts mehr, als würde man für immer schlafen. Man kann dieses Gefühl nicht vorher schon einmal erleben. Man könnte auch Angst haben, ob man noch Schmerzen nach dem Tod erleiden muss und wie sehr man beim Sterben leidet."


Eine andere Konfirmandin schreibt: „Ich denke mir, dass, wenn ich sterbe, die schönsten Momente in meinen Gedanken vorbeiziehen. Dann gehe ich durch eine Tür oder fahre in einem Boot einen unterirdischen Fluss lang und komme oben im Himmel auf den Wolken an. Dort sehe ich dann meine verstorbene Familie und Freunde wieder. Immer, wenn ich meine zurückgelassene Familie beschützen möchte, kann ich hinabsteigen auf die Erde.
Ich habe mich bei diesem Gedanken an das Sprichwort „Renne niemals schneller als dein Schutzengel fliegen kann“ orientiert. Ich stelle mir vor, dass man als „Schutzengel“ seine Familie beschützen kann. Schutzengel kann aber nur bis zu einem gewissen Tempo fliegen. Wenn ein Mensch zu schnell rennt, dann kommt der Schutzengel nicht mehr mit und derjenige stirbt.“
Keiner von uns weiß, was nach dem Tod geschieht.
Man kann den Tod nur im Moment erleben.
Was passiert danach mit uns? Jeder von uns hat andere Vorstellungen davon. Einige stellen sich nichts vor, weil man es eh nicht weiß. Andere haben wunderschöne Bilder vor Augen wie die eben beschriebenen Szenen. Wieder andere können vor lauter Angst vor dem Sterben nicht über den Tod nachdenken.
Unbestritten ist bei aller Pluralität, dass der menschliche Körper komplett stirbt und seine Überreste irgendwann zerfallen. Auffallend ist dabei, dass ein bestimmter Bestandteil unseres Körpers diesen Zersetzungsprozess nicht mitmacht. Er gehört zwar zu unserem Körper wie z.B. das Herz, doch ist dieser Bestandteil von uns nicht Materiell.
Ich spreche von der Seele.
Sie ist nichts Materielles. . Man kann die Seele nicht entfernen. Die Seele hat eine vom Körper unabhängige Existenz.
Wenn man von der Seele spricht, dann meinen wir meistens etwas Positives und oft auch unseren Gedanken und Gefühle oder unseren Charakter.
Reden wir von der Seele in Verbindung mit dem Leben nach dem Tod, dann meinen wir, dass etwas vom Verstorbenen in unserer Welt bleibt.
Wir, die Hinterbliebenen, spüren die Seele des Verstorbenen weiterhin. Wie ist das möglich?
Nun, nach meiner Definition, ist die Seele all das, was die 5 Sinne nicht direkt wahrnehmen können. Die Seele ist mehr als Hören, Riechen, Tasten, Schmecken, Sehen. Es ist das Zusammenspiel aller Sinne. Die Seele ist Liebe, Trauer, Verzweiflung, Hass, Trost, Freundschaft.
Man könnte es Schutzengel nennen, wenn man meint, die Verstorbenen auf dieser Welt noch zu spüren. Ich nenne es den Glauben an die Auferstehung.
Denn jeder Mensch hinterlässt auf Erden Teile seiner Seele. Jeder hat Gefühle wie Trauer, Liebe, Hass, Freundschaft durchlebt und mit anderen geteilt. Vielleicht hat man eigene Kinder und hat diesen einen großen Teil seelischer Begegnungen ermöglicht.
Im Tod verlässt die Seele den vergänglichen Leib und nimmt wieder eine neue Gestalt an. Dieser Prozess meint die Auferstehung. Der Verstorbene lebt in uns mit seinen hinterlassenen seelischen Fußabdrücken weiter. Er wird immer in unserer Erinnerung bleiben und prägt unser Leben.
Ohne es zu wissen, hat eine Konfirmandin diese Vorstellung der Auferstehung, auf den Punkt gebracht. Paulus hat es genauso notiert: „Ich glaube wirklich, dass wir nach dem Tod ein neues Lebewesen sind.“
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Den Konfirmanden war es ein großes Anliegen, Ihnen heute Trost zuzusprechen. Hören wir nun die persönlichsten Worte, die mir im Unterricht begegnet sind.

Florian:
„Gott gibt uns als Menschen in vielerlei Hinsicht Mut. Manchmal sichtbar; manchmal kann man Gott nur spüren, aber Wir wissen immer, dass er uns umgibt.
Selbst in den Situationen wo man denkt, dass die Welt vor den Augen des Betrachters zusammenfällt, kommt Gott zu dir und zeigt dir in egal welcher Weise den Weg aus dem Dunkeln heraus.
Dies geht leider im Alltag zum größten Teil unter. Aber wenn es soweit kommt, dass Wir Mut brauchen (sei es bei einem Trauerfall oder bei einer Klassenarbeit), wissen Wir genau "Auf Gott können Wir uns verlassen."


Dabei müssen Wir aber auch vertrauen und zwar in uns selbst und in Gott. Und dann kann jeder Fels so hoch sein wie der höchste Berg der Welt oder jede Ausnahmesituation so heikel wie es nur passieren kann. Aber am Ende kommt irgendwann Gott und Wir wissen, dass Wir uns in seine Hände fallen lassen können.“

Isaiah 43:1  Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Isaiah 43:3   3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Isaiah 43:5  5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Amen.

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